Selbstverteidigungskurs – Entschlossen handeln

Um auf Betriebstemperatur zu kommen und etwas lockerer zu werden fing der 5 Tag wie gewohnt mit einem kleinen Wettkampfspiel an. Die Teilnehmer hatten zu Beginn schon sichtlich Spaß, der im Verlauf des Abends noch größer werden sollte.

Dachziegel, eine schöne Abwechselung

Mit dem Elan aus dem Aufwärmen konnten sie an der nun folgenden Station ihre Schlagkraft testen. Dazu wurden handelsübliche Dachziegel in die Luft gehalten. Die Kursteilnehmer mussten die Dachziegel durch einen Schlag mit bloßer Hand zum brechen bringen. Wer es schafft einen Dachziegel kaputt zu machen, schafft es ebenfalls einem Angreifer Schmerzen zu zufügen, so Trainer Roth. Wenn es jemandem nicht gelungen ist den Ziegel zu knacken, so bekam derjenige einen alltäglichen Gegenstand wie einen Stein, Stock, Regenschirm oder eine zusammengerollte Zeitschrift und konnte es erneut probieren. Spätestens dann funktionierte es bei wirklich allen. Mit dem Test sollte gezeigt werden, welche Kraft man in der Lage war aufzubringen. Außerdem konnten die Leute sehen, wie effektiv der eine oder andere Gegenstand sein kann und dass sie sich nicht scheuen sollen in einer Notsituation etwas in die Hand zu nehmen. Außerdem wurde auch deutlich, dass selbst etwas so Unscheinbares wie ein Schlüssel, Zeitschrift oder auch ein Kugelschreiber bei richtiger Handhabung immensen Vorteil verschaffen kann. Die Übung war eine tolle Abwechselung und sorgte bei allen für viel Freunde und Begeisterung.

Entschlossen handeln, und warum es wichtig ist….

Der Theorieteil handelte an diesem Tag untere anderem von Entschlossenheit, der nötigen Einstellung und der Fähigkeit im richtigen Moment den Schalter umzulegen. Beim Versuch mit den Dachziegeln hat man deutlich sehen können, wie wichtig diese Eigenschaften sind. Gerade zu Beginn ging nicht jeder Dachziegel kaputt. Eine Kursteilnehmerin, die ihren Ziegel nicht auf Anhieb durch gekriegt hatte, fasste sich zum Ende der Übung erneut ans Herz und wollte es beim letzten Ziegel nochmals wissen. Zuvor haben andere Personen ihr vorgemacht, wie einfach es gehen kann und sie wollte es nicht auf sich sitzen lassen, eine der wenigen zu sein, die es nicht geschafft hatte. Fest entschlossen es beim zweiten Mal besser zu machen, brach der Ziegel dann auch, als wäre das selbstverständlich. In einer Notsituation ist es ähnlich. Wenn ich fest an mich glaube, wenn ich total entschlossen und davon überzeugt bin, dass ich aus der gefährlichen Situation heil wieder heraus komme, dann sind meine Chancen wesentlich höher, als wenn ich lediglich darauf hoffe, dass mir nichts passieren und mir das Glück schon irgendwie zur Seite stehen wird, so die Botschaft die Trainer Roth den Teilnehmern vermitteln wollte.

Alles beginnt mit der Kontaktaufnahme!

Anschließend ging es um typische Abläufe vor einem Übergriff. Zwar ist nicht jede Situation gleich und es gibt auch teilweise deutliche Unterschiede, doch kann man trotzdem einige Punkte die oft ähnlich sind, hervorheben. Was passiert im Vorfeld einer handgreiflichen Auseinandersetzung? Und wie sollte ich mich dann am besten verhalten, waren die Fragen in den nächsten Minuten. Alles beginnt mit der Kontaktaufnahme. Sie kann entweder durch Augenkontakt gefolgt vom direkten Ansprechen (verbale Auseinadersetzung) erfolgen, oder auch nur auf eine der obigen Arten. Es ist wichtig die Situation richtig einzuschätzen und alles im Blick zu behalten, sich aber dennoch nicht auf den Versuch der Kontaktaufnahme einzulassen. Wie es geht, wie ich mich am Besten verhalte und welche Möglichkeiten ich habe, wurden an Hand von Situationen und einigen typischen Kommunikationsbeispielen erörtert. Hat der Aggressor den Kontakt erfolgreich hergestellt, versucht er als nächstes die Distanz zwischen sich und dem „Opfer“ zu verringern. Es ist in diesem Zusammenhang wichtig, immer hellwach zu bleiben. Sollte mir jemand folgen, so muss ich dass frühzeitig merken. Wie man sich dann verhält und welche Möglichkeiten mir bleiben, wurde in den vorangegangenen Trainingseinheiten immer wieder geschult und trainiert. Hat der Angreifer sich uns angenähert, so folgt im nächsten Schritt die Grenzüberschreitung (festhalten, hindern am Weitergehen, schubsen, schlagen usw…) und snschließend die Flucht. Wie ich deeskalierend wirken kann um die Situation zu entschärfen, oder zumindest nicht weiter zu befeuern, wurde in dem Zusammenhang ebenfalls zum Thema gemacht. Wie schon in den Tagen zu vor, entstanden auch dieses Mal interessante und hilfreiche Gespräche, die zeigten, dass das Thema Gewaltprävention und Selbstbehauptung für die Kursteilnehmer sehr wichtig ist.

Den Schalter im Kopf umlegen

Nachdem über die Theorie ausreichend gesprochen wurde, folgte noch eine Vorübung an den Kofferpratzen (großen Schaumstoffkissen), bevor das Finale des Abends bevorstand. Ziel war es auf Kommando den Schalter im Kopf umzulegen. Dazu gab es zwei unterschiedliche Farben, zu denen man sich ein Gefühlszustand assoziieren sollte. Beim ersten Kommando (Farbe: grün) sollten sich die Leute total sicher und wohlfühlen. Sie waren entspannt und dementsprechend brauchten sie keine Kraft in die Schläge und Tritte zu legen. Auf das zweite Kommando (Farbe: rot), änderte sich die Situation grundlegend für sie. Nun war es nicht mehr sicher. Sie waren in höchster Not und sollten entsprechen die Pratzen bearbeiten. Ziel war es von einem Moment auf den Anderen, mit voller Wucht und Kraft die Pratzen zu bearbeiten, alles was in einem steckte rauszulassen, dabei zu schreien und den Halter der Kofferpratze durch die halbe Halle zu scheuchen. Dieses Gefühl sollten sie sich schlussendlich einprägen, denn nun folgten einige Befreiungsbewegungen aus diversen Zugriffen. Dazu wurde Felix Seder erneut als „Dummy“ verkleidet. Bestens geschützt, griff er die Leute mit unterschiedlichen Griffen an, bei denen er nicht gerade zimperlich vorging. Passend zum Angriff sollte auch die Verteidigung sein, alles war erlaubt. Die einzige Vorgabe war es, sich zu befreien und flüchten zu können. Die Teilnehmer setzten das bis dato Erlernte sehr gut um und brachten nach dem Training zum Ausdruck, „dass sie besonderes die letzte Übung super finden. Es ist gut zu spüren, welche Wucht hinter einem richtigen Angriff steckt und welche Kraft dazu nötig ist um sich aus einer solchen Situation befreien zu können“

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